Schmerztherapiezentrum Gräber
 

Achillessehen-Schmerzen / Achillessehnenentzündung: So sähe eine vernünftige Therapie aus.

René GräberAus der Naturheilpraxis von René Gräber

Die Achillessehne ist die dickste und stärkste Sehne des Menschen und kann eine Zugbelastung von bis zu 800 kg aushalten.

Doch obwohl diese Sehne so stark erscheint, kommt es in diesem Bereich zu Entzündungen und Beschwerden.

Die Folgen sind Schmerzen (oftmals nach dem Aufstehen) und eine druckempfindliche und manchmal auch gerötete Ferse.

Von diesem Leiden sind vor allem Sportler betroffen, besonders wenn sie regelmäßig und viel Laufen.

Häufig wird als Grund genannt, dass die Sehne nicht gleichmäßig belastet würde, zum Beispiel aufgrund von unpassende Schuhen, einer Fehlstellung der Füße (Senk-, Knick- oder Plattfuß) oder Zehenanomalien.

Doch wie genau wirken sich diese Faktoren negativ auf die Sehne aus?

Die Achillessehne ist die Ansatzsehne des Musculus triceps surae, der aus drei verschiedenen Muskeln besteht.

Einer davon, der zweiköpfige Musculus gastrocnemius, entspringt am distalen Oberschenkelknochen.

Wenn Ober- und Unterschenkel nicht passend übereinander stehen, oder wenn beim Laufen vermehrt die Innen- oder Außenseite des Fußes belastet wird, wird einer der Muskeln aus der Gruppe stärker belastet als die anderen.

Das geschieht vor allem bei gleichförmigen Bewegungen. Dazu zählen zum Beispiel Joggen und Fahrradfahren. Durch diese einseitige Belastung wird einer der Muskel kräftiger als die anderen, und die Achillessehne wird an dieser Stelle straffer und stärker beansprucht.

Damit es nicht zu dieser unausgewogenen Belastung kommt, sollten also alle Muskelgruppen gleich stark trainiert werden. Besonders kritisch wird es für die Sehne außerdem, wenn wir nach einer langen Sitzphase plötzlich sportlich aktiv werden – was heutzutage gar nicht selten ist.

Viele Menschen beginnen mit ihrem Sportprogramm nach einem langen Tag im Büro. Aber Vorsicht: Durch das lange Sitzen während der Arbeit verkürzen sich die beiden Bäuche des oberflächlichen Wadenmuskels. Wenn wir dann plötzlich sportlich aktiv werden, wird die Achillessehne zu stark belastet. Deshalb treten in diesem Moment die Schmerzen am häufigsten auf.

Aber was genau passiert eigentlich mit der Sehne, wenn sie falsch belastet wird? In einer gesunden Achillessehne liegen die einzelnen Fasern gerade nebeneinander ausgerichtet. Die Sehne ist schlank und nicht druckempfindlich.

Doch durch kleine Risse und früheren Entzündungen ändern die Fasern ihre Position. Sie laufen nicht mehr gerade, sondern in verschiedene Richtungen und sind wie ein Filz miteinander verwoben. Das kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass sich Kalk im Gewebe ablagert und sich so auch ein Fersensporn bildet.

All diese Symptome weisen auf myofasziale Verspannungen hin: Unterschenkel und Fußmuskeln sind verkürzt, sie verkümmern und die Sehnen werden kürzer. Eigentlich müsste ich schreiben "Fußstrukturen", denn die Muskeln selbst können nicht verkürzen, ausser bei der Kontraktion natürlich. Was massiv verkürzt ist das Bindegewebe, welches auch jede Muskelfaser umgibt. Und sehe ich gerade bei Läufern vor allem brettharte Wadenstrukturen, für die man fast schon Hammer und Meißel brächte um da mal ordentlich durchzupflügen. Den meisten Läufern ist das überhaupt nicht bewußt. Manche sind sogar stolz auf ihr "harten" Muskeln. Welch ein Unfug! Die Wadenstrukturen müssen im entspannten Zustand (z.B. wenn Sie auf der Couch liegen) ganz locker sein. Wenn Sie in den Wadenbereich drücken, dürfte da auch kein Punkt sein, der irgendwie weh tut.

Die massive chronische Spannung übt natürlich auch einen Zug auf die Achillessehen aus, die irgendwann mit Entzündungen reagiert.

Ist die Sehne erst einmal entzündet, sollte der Fuß ruhig gestellt werden, damit die Entzündung abklingen kann. Das Laufen (Joggen) muss eingestellt werden, was gerade für Läufer ganz schwer zu ertragen ist...

Mögliche Therapien

Erst einmal ein Wort zu den Kinesio-Tapes usw.: Elastische Baumwollpflaster, sogenannte Tapes, sollen für eine mechanische Entlastung und fördern die lokale Durchblutung sorgen. Das tun diese auch (je nachdem Können des Therapeuten und der Schwere der Reizung). Aber das Mittel der Wahl sind diese auch nicht.

Die manuelle Methode der Wahl zur Therapie ist eine Myofaszialpunktpressur, klassische Massage, FDM-Methode, sowie eine Chirotherapie der Fußgelenke oder Zehengelenke (evtl. auch Knie, Hüfte, ISG usw.)

Welche Methode angezeigt ist wird durch die Beschwerden bestimmt, die der Patient zeigt und durch die Untersuchung der entsprechenden Strukturen und Gelenke.

Ganz wichtig ist aber nachher die exakte Dehnübung, die regelmäßig zu Hause durchgeführt werden muss. Damit werden die Strukturen ausgerichtet und wieder auf Länge gebracht - und das braucht seine Zeit!

Je nach Entzündung muss die Dosis bestimmt werden, was (meiner Erfahrung nach) nur erfahrene Therapeuten können, die sich mit solchen Übungen auch über einige Jahre beschäftigt haben.

Einen Grundsatzbeitrag zum Dehnen und Beweglichkeitstraining finden Sie von mir übrigens hier: Beweglichkeit - Fakten und Mythen. Damit kann man das Risiko für eine erneute schmerzhafte Überlastung minimieren.

Und bevor Sie mich zu den "neumodischen" Faszienrollen fragen, lesen Sie bitte meinen Beitrag zum Faszientraining.

Wenn die Entzündungen zu stark sind...

Sind die Entzündungen zu stark, ist eine manuelle Therapie und Dehnübungen erst einmal kontraindiziert, sprich: keine Übungen, keine Massage.

In diesem Fall rate ich zu einer naturheilkundlichen antientzündlichen Therapie, wie ich diese (ungefähr) in meinem Beitrag zu den Entzündungen beschreibe. Meistens setze ich bei der Achillessehenentzündung auf Vitalstoffe, Enzyme, sowie einige homöopathische Mittel.

Von den klassischen Schmerzmitteln halte ich bei über 95% der Achillessehnenentzündungen gar nichts. Diese kaschieren das Problem nur und führen zu keiner wirklichen Ausheilung, ebensowenig wird etwas an der Ursache geändert.